Die Geschichte vom Stockbornerhof

Der Stockbornerhof wurde im Jahre 1764 von Herzog Christian IV. gegründet

Im Jahre 1764, die Gründung des Stockbornerhofs

Herzog Christian IV. von Zweibrücken war als regierender Fürst immer bestrebt, seinen Bürgern zu Wohlstand zu verhelfen. Die vorhandene landwirtschaftliche Nutzfläche reichte nicht mehr aus, der ständig wachsenden Bevölkerung Arbeit und Brot zu geben. Die herzogliche Regierung unter Kammerdirektor Schimper entschloß sich daher, durch Waldrodungen und Hofgründungen bessere Lebensbedingungen zu schaffen und die Finanzkraft des Landes durch Mehreinnahmen (durch den Zehnten) zu heben.
Im Jahre 1764 wurde deshalb ein 170 Morgen großes Stück Ödland in der "Allseiters" auf der Gemarkung Reifenberg zur Gründung eines Erbbestandshofes ausgeschrieben. Der Hof sollte den Namen "Stockbornerhof" führen, benannt nach der sich in der Nähe des Hofes befindenden Quelle Stockborn.
1764 bewarb sich Nickel Bayer aus Battweiler um "170 Morgen Land gratis Ödland auf Rieschweiler und Reifenberger Bann gelegen als Erbbestandshof, Erbpacht jährlich 4 Malter Korn und 4 Malter Hafer". Ebenso trat der Wagner Lorenz Henfreund aus Reifenberg als Bewerber um den neu anzulegenden Hof auf. Er bot 6 Malter Korn und 6 Malter Hafer. Bevor die Herzogliche Regierung die Entscheidung traf, wurde der Förster Rauch aus Battweiler um Rat gebeten. Sein Urteil lautete:
6 Morgen Wald, gegen den Spitalberg gelegen, sollen des jungen
Buchenbestandes wegen nicht zum Hof gegeben werden.
Dem Wagner Lorenz Henfreund soll der Hof nicht gegeben werden.
Begründung: "Wenn der Wagner mitten im Wald wohnt, es in Zukunft
viele Unterschleife (Holzfrevel) geben könnte. Auch solle ihm im Falle der
Genehmigung das Halten von Hunden wegen des Wildes verboten werden".
Am 10. April 1764 wurde Henfreund die Anlegung des Hofes genehmigt. Am selben Tag kam der dritte Bewerber Heinrich Schäfer aus Battweiler hinzu. Man machte die Zusage rückgängig und gab Schäfer den Hof für 6 Malter Korn und 8 Malter und 1 Faß Hafer. Heinrich Schäfer bekam am 24. Dezember 1765 den vom Herzog am 12. Februar 1765 unterzeichneten Erbbestandsbrief ausgehändigt. Die Gebäude des Guts wurden 1766 errichtet. Der Hof war bis 1768 lastenfrei.

Im Jahre 1770

Am 15. Februar 1770 beschwerte sich Jakob Gailbach von Battweiler, der Stiefsohn von Heinrich Schäfer, daß sein Stiefvater nicht kultiviere, sondern die Früchte abernte, das Stroh nach Battweiler verbringe und auf seinem Hofgut (Comtureigut) verwende, um seine Äcker zu düngen. Jakob Gailbach gab auch an, daß Schäfer nicht auf dem Gut wohne, obwohl er vor einigen Jahren ein Häuschen und eine Scheune erbaut habe. Gailbach bezichtigte außerdem Schäfer, daß er ihm die Hälfte des Hofes für 200 Gulden als Abschlag seines väterlichen und mütterlichen Erbteils überlassen habe. Die andere Hälfte des Hofes sei einem "verdorbenen Untertan", Valentin Stock aus Dellfeld, für 200 Gulden verkauft worden. Dieser habe sich auch schon ein "Häuschen mit Schulden" erstellt. Gailbach machte der herzoglichen Regierung den Vorschlag, Schäfer den Erbbestandsbrief zu entziehen, die Gebäude abschätzen zu lassen, Schäfer und Valentin Stock zu entschädigen und ihm und seinen Erben das gesamte Hofgut als Erbbestand zu überlassen. Da Gailbach des Schreibens unkundig war, unterschrieb er mit " + ".
Rat und Oberkeller Böttger, ein aufsichtsführender Beamter der herzoglichen Kellerei, wurde von der Regierung beauftragt, den Fall zu untersuchen. Böttger gab den Auftrag an den Schultheis Körner aus Niederauerbach weiter. Dieser berichtete am 3. April 1770 über die von ihm durchgeführte Untersuchung.
Es geht daraus hervor, daß Schäfer den Hof an "Gölbach" und Valentin Stock für zusammen 400 Gulden verkauft hat. Auch wurde der Erlös, den der Verkauf des abgeernteten Strohs erbrachte, dazu verwendet, das 1766 erbaute Haus zu bezahlen. Die Scheune erbaute "Gelbach", als Schäfer seinem Stiefsohn den "Halbschiedhof" (die Hälfte des Hofes) überließ.
"Stock befindet sich in solch armem Zustand, wie er nicht geringer gemacht werden kann, da findet sich weder Kuh noch Schwein, findet sich Gelbach noch besser in der Nahrung. Die Wintersaat von beiden, 15 Morgen, sieht schlecht aus." Auf diesen Bericht hin fällte Rat Böttger am 14. April 1770 das Urteil, wonach Schäfer wegen Nichteinhaltung der "Erbbestands Condition" zu bestrafen, aber ihm der Hof zu belassen sei. Die fürstliche Polizei-Kommission beschloß dagegen am 29. Juli 1770, daß der Stockbornerhof wieder "eingezogen", dem derzeitigen Besitzer der Wert der Gebäude und die Verbesserung der einzelnen "Stücker" vergütet werden sollte. Diese Anordnung wurde nicht ausgeführt.
Jakob "Gelbach" machte am 29. August 1770 erneut eine Eingabe an den Herzog. Er bat darum, ihm den ganzen Hof zum "gewöhnlichen" Zins zu überlassen. Er begründete seine Eingabe damit, daß er in Battweiler sein Haus und seine Güter verkauft, auf dem Stockbornerhof schon 88 Bäume gepflanzt und den Hof verbessert habe. Die ganze Sache wurde noch erschwert, als am 27. August 1770 zwei weitere Bewerber um den Hof dazukamen. Es bewarb sich Jakob Weber aus Rieschweiler; sein Bürge war Jakob Buchmann, ebenfalls aus Rieschweiler. Der zweite Bewerber Adam Bayer aus Rieschweiler (Bürge Friedrich Stock), gab an, daß er 70 Morgen Wiesen und Ackerland habe. Auch sei er mit Vieh genügend versorgt. Diese beiden Bewerber wurden abgewiesen, da sie vollkommene Abgabenfreiheit verlangten. Zu der Eingabe von Gelbach und den Bewerbungen von Weber und Bayer kam am 13. Oktober 1770 ein Antrag von Heinrich Schäfer hinzu. Schäfer bat Herzog Christian IV., ihm den Hof zu belassen, da er noch keinen Kaufvertrag mit Stock gemacht habe. Er wolle jetzt selbst den Hof bewirtschaften.
Am 19 November 1770 schätzten im Auftrag von Rat Schimper der Schultheis Körner, der bereits im April desselben Jahres die Untersuchung geleitet hatte, und der Zimmermeister Friedrich Ruf aus " Unterauerbach" den Hof ab. Sie kamen zu folgendem Ergebnis:
"Gailbach; ein klein einstöckiges Wohnhaus von Holz gebaut mit Ziegeln gedeckt, 130 Gulden; ein Stall, mit Ziegeln gedeckt, 190 Gulden.
Stock hat ein von Holz gebautes Häuschen von einem Stockwerk, welches aber schlecht gebaut, 90 Gulden. Zusammen 410 Gulden."
Für Verbesserung und Dung soll "Gölbach" noch 28 Gulden erhalten. "Grundbirnen" (Kartoffeln) kann er im Frühjahr noch setzen. Valentin Stock soll für Verbesserung und Dung 15 Gulden erhalten. Die beiden Schätzer verlangten je 1 Gulden.

Im Jahre 1771

Da am 24. März 1771 Heinrich Schäfer laut Vertrag die Hälfte des Hofes, die Stock bewirtschaftete, an Christian Guth von Rieschweiler verpachtete, war Schäfer zu dieser Zeit immer noch Besitzer des Hofes. Dieser Vertrag wurde auf 6 Jahre abgeschlossen. Die Pacht betrug 10 Gulden pro Jahr, 3 Malter Korn, 4 Malter Hafer. Korn, Hafer und 4 Gulden Frongeld waren der Herrschaft abzuliefern. Schäfer verpflichtete sich, noch vor Martini von Maurermeister Ludwig Stein aus Rieschweiler ein Wohnhaus im Akkord bauen zu lassen. Aber Schäfer war nicht gewillt, den Vertrag einzuhalten, denn Christian Guth beschwerte sich darüber, daß Schäfer die Früchte, die auf der Hälfte des Hofes, die zuvor Stock bewirtschaftete, wuchsen, nach Battweiler verbrachte. Er verzögerte ferner den Wohnungsbau. Auch habe Schäfer den Hof anderweitig für 500 Gulden angeboten. Auch Guth stellte den Antrag, ihm den Erbbestandshof zu überlassen.
Am 3. August 1771 wurde Rat Schimper beauftragt, Schäfer und Gelbach zu "costituieren" und ihnen zu bedeuten, daß, wenn sie sich nicht hinlänglich "legitimieren" können und diesen Sommer den versprochenen Conditionen nicht nachkommen, ihnen der Hof abgenommen werde. Am 23. August 1771 schlug Rat Schimper Guth als Erbbeständiger des ganzen Hofes vor. Noch am selben Tag baten Jakob Gelbach und Heinrich Schäfer, ihnen den Erbbestandsrückstand von 20 Malter Korn zu stunden, da sie das Korn erst verkaufen müßten. Am 12 Dezember machte die herzogliche Kammer den Vorschlag, Schäfer und Gelbach gemeinsam den Hof zu überlassen.

Im Jahre 1772

Die Jahrelangen Auseinandersetzungen um den Hof hatten noch kein Ende gefunden. Am 20 März 1772 wurde vorgeschlagen, Jakob Gelbach und Christian Guth auf den Hof zu setzen; es wurde ihnen allerdings die Auflage gemacht, ein Wohnhaus mit Keller zu erstellen. Die noch vorhandenen Gebäude waren baufällig.
Eine Urkunde weist ein Verzeichnis der im Eigenbesitz von Christian Guth sich befindenden Güter auf. Dieses Verzeichnis trägt das Datum 14.Februar 1772 und ist von Schultheis Maurer aus Contwig, vom Gerichtsschöffen Hans Nickel Buchheit und von Christian Guth unterzeichnet.

Im Jahre 1791

Wie lange Guth den von Heinrich Schäfer gepachteten Teil des Hofes bewirtschaftet, kann aus den Unterlagen nicht mehr entnommen werden. 1791 aber ist Jakob Gelbach alleiniger Inhaber des Hofes. Jakob Gelbach verkaufte im selben Jahr die Hälfte seines Hofes seinem Bruder Philipp Gelbach, Erbbeständer des Comturei-Guts von Battweiler für 1050 Gulden und 27 1/2 Gulden Trinkgeld. Beide Höfe blieben Erbbestandshöfe, beide Eigentümer hafteten gemeinsam für den Erbzins ( jährlich 12 Malter Korn und 16 Malter und 1 Faß Hafer), der an Martini eines jeden Jahres in guter, sauberer und marktreiner Ware an die Oberkellerei in Ernstweiler abgeliefert werden mußte. Dieser Erbzins war auch dann zu entrichten, wenn "Hagel, Mißwachs und Heer" ihren Tribut gefordert hatten.

Ab dem Jahre 1840

Über die weitere Entwicklung des Stockbornerhofs kann keine Aussage mehr gemacht werden, da die Unterlagen in Battweiler bis zum Jahre 1840 fehlen. Ab 1840 sind die Urkunden auf dem Bürgermeisteramt Reifenberg wieder einzusehen.
In den Wirren der französischen Revolution wurde der Stockbornerhof der Gemeinde Battweiler zugeschrieben. Nach langwierigen Prozessen kam der Hof am 3. Juli 1844 wieder zur Gemeinde Reifenberg.

Im Jahre 1848 lebten folgende Familien auf dem Stockbornerhof.
1. Lauer Christian
2. Nicola Georg
3. Schmidt Christian
4. Schneider Walter
5. Zimmermann Franz

Die um die Jahrhundertwende unter finanzieller Mithilfe der Bewohner des Hofes vom Kreis Zweibrücken erbaute Straße wurde 1935 der Gemeinde Reifenberg laut Gesetz zur Unterhaltung übereignet und am 31. Dezember 1963 als Verbindungsstraße Battweiler - Rieschweiler wieder vom Kreis übernommen.

Heute wird der Hof von 3 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet und ist mit seiner Gaststätte Schnur ein beliebtes Ausflugsziel.

 

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